Verflixte Situation

Kurzgeschichten lesen & schreiben


Ja, es gibt sie, diese Situationen, die plötzlich auftauchen und einem aber auch alles vermiesen können. 
„Verflixte Situation“ 



Noch eine kleine Ergänzung in eigener Sache:
Meine ersten Werke (Taschenbücher, Ebooks und Hörbücher) wurden unter meinem Pseudonym Males Koinsel veröffentlicht.
Heute schreibe und veröffentliche ich nur noch mit meinem ganz realen Namen: Manu Lesniok. In meiner Facebookgruppe: Von der Idee zu deinem ersten Roman erfährst du mehr über meine Arbeit als Romanautorin  und als dein Schreibcoach 😉


Verflixte Situation von Manu Lesniok (Version aus 2013)

Es gibt Momente, da sind bestimmte Worte das Einzige, was einem in den Sinn kommt. Ein Zeitpunkt ist zum Beispiel, wenn man mit dem Rauchen aufhören will. Alles dreht sich ganz plötzlich um Zigaretten, Zigarillos, Zigarren, Tabak, Tabak, Feuerzeug, Zippo, Streichhölzer, Aschenbecher...

Einen anderen Zeitpunkt hatte ich vor etwa einem Jahr erwischt. Ich konnte es kaum noch aushalten, und natürlich stand mir keines der Wörter in seinem realen Zustand seiner Bedeutung zur Verfügung: WC, Abort, Toilette, Plumsklo, Klosett, sanitäre Anlage, Lokus, 00, Latrine, stilles Örtchen, Donnerbalken...

Es begann in Hamburg-Norderstedt und icch dachte nur: 'Das wird anstrengend!' und 'Das werden bestimmt die längsten 45 Minuten meines Lebens.'

Nach Neumünster wollte ich und meine Schwester übers Wochenende besuchen. Die Bahn, die mich zu ihr bringen sollte, hatte ich noch nicht ganz betreten und...ich musste mal. Zurück und schnell nochmal aufs Örtchen ging nicht mehr, der Zug fuhr, solange ich schon diese Strecke fuhr, immer pünktlich ab. Es war einfach immer dasselbe Spiel.

Einen Fensterplatz konnte ich mir gerade noch sichern. Es war Freitagnachmittag, etwa halb fünf und sämtliche Pendler zwischen Hamburg und Neumünster befanden sicch ebenfalls in dieser Bahn.

Nach etwa fünf Minuten Fahrt wünschte ich mich von diesem Fensterplatz jedoch wieder weg, denn es regnete draußen in Strömen. Da musste man doch ganz automatisch schon an eines der benannten Wörter oben denken. Bei mir jedenfalls war das so und ich ahnte, dass es bei dieser Fahrt besonders schlimm werden würde. Ich konnte den Druck kaum noch aushalten.
Ich hörte nur noch die Wörter, die durch meinen Kopf wirbelten: WC, Abort, Toilette, Plumsklo...

Vielleicht hatte sich die Reihenfolge in den Wiederholungen geändert, die einzelnen Wörter jedoch hatten alle immernoch denselben Sinn. Und alle waren sie auf meine völlig überfüllte Blase gerichtet.
Nervös tutschte ich auf meinem Sitz hin und her und hoffte irgendwo in diesem Abteil ein Schild mit ddem Hinweis „WC“ zu finden. Ohne Erfolg.
Ich drehte mich so unauffällig, wie es mir möglich war, um. Vielleicht gab es ja im hinteren Zugteil ein Zeichen. Nein, gab es nicht.
'Oh man, wie die Zeit vergeht!', dachte ich, nur um gleich darauf hoffnungslos festzustellen: 'GAR NICHT!!!'

Mein Handy vibrierte in meiner Handtasche und ich war heilfroh, dass ich es nicht in der Hosentasche verstaut hatte.
Steige bitte Neumünster-Süd aus, ich hole dich dort ab, Sister.“
Sehr schön, Neumünster-Süd war eine Station vor Neumünster Hauptbahnhof. Ich hatte tatsächlich drei!!! Minuten gewonnen. Drei Minuten eher konnte ich meine Blase entleeren, bevor sie platzte. Und in Neumünster-Süd gab es einen McDonalds, der Toiletten hatte. Das wusste ich ganz genau und das war definitiv meine Rettung.

Danke Schwesterherz“, schrieb ich etwas erleichtert zurück. „Und bis gleich.“
„Warum auch immer du dich bedankst, bis gleich.“

Oh je, wie sollte ich das jetzt in Kurzform und per SMS meiner Schwester erklären? Und einfach anrufen ging schon mal gar nicht bei den Menschenmassen hier in der Bahn. Meine Kontentration war gleich null und ich ließ es bleiben. Sie wird es früh genug mitbekommen.

Nun musste ich auch erstmal in Neumünster-Süd ankommen, ohne mir vorher in die Hosen gemacht zu haben. Ich holte die Tüte mit den beiden Franzbrötchen hervor, die ich mir in Norderstedt zusammen mit dem extra großen Kaffee gekauft hatte. Eins mit Schokostreußel, das andere mit Rosinen. Nur wusste ich nicht, welches ich zuerst essen sollte und ein erneutes Kopfkino schaltete sich ein.
'Ich könnte sie auch in der Tüte lassen. Hunger hatte ich eigentlich keinen. Schwesterherz freut sich bestimmt darüber. Und wenn nicht, gibt’s die Dinger eben morgen zum Frühstück. Oder beiß ich doch mal rein? Hm, ich weiß auch nicht. Odder soll ich es lieber lassen?'

Das, was ich befürchtet hatte, trat ein. Es wurde anstrengend. Schon wieder ganz schön viele Fragen auf einmal.
'Und außerdem bin ich ja auch bald in Neumünster-Süd, und dann will ich diese ganzen Antworten gar nicht mehr wissen. Und wenn ich erstmal auf einer Toilette war, kann ich mich auch bestimmt gar nicht mehr an die Fragen erinnern.'

Ich wünschte mir, dass die Fahrt bald mal zu Ende war. Sonst machte ich mir womöglich doch noch tatsächlich in die Hose.
Ich sah auf mein Handy. Grad mal 17 Uhr und 17:23 Uhr sollte ich in Neumünster ankommen. Minus drei, weil die letzte Station wegfiel, macht 17:20 Uhr.
'Ob jetzt schon eine Minute von den 20 Minuten vorbei ist? Dann bräuchte ich nur noch 19 Minuten in dieser Bahn verbringen.'

'Ach egal', dachte ich weiter.
Und außerdem wollte ich so gerne eine rauchen. Aber in dieser Bahn gab es genauso viele Aschenbecher wie Toiletten.

Das Leben wäre für die letzte viertel Stunde wirklich enorm einfacher, wenn ich nicht so dringend hätte pinkeln müssen.

Wie durch ein Wunder kam die Durchsage des Zugführers, der die Haltestelle Neumünster-Süd ankündigte. Was ich in dieser letzten Viertel Stunde getan hatte, weiß ich heute nicht mehr, aber ich habe sie überstanden, ohne das ein Unglück geschehen ist.

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