Dänisches Rendezvous

Kurzgeschichten lesen & schreiben


Manchmal ist es gar nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen, wenn am Ende der Reise ein Rendezvous auf dem Spiel steht,  ...


„Dänisches Rendezvous“ 



Noch eine kleine Ergänzung in eigener Sache:
Meine ersten Werke (Taschenbücher, Ebooks und Hörbücher) wurden unter meinem Pseudonym Males Koinsel veröffentlicht.
Heute schreibe und veröffentliche ich nur noch mit meinem ganz realen Namen: Manu Lesniok. In meiner Facebookgruppe: Von der Idee zu deinem ersten Roman erfährst du mehr über meine Arbeit als Romanautorin  und als dein Schreibcoach 😉


Dänisches Rendezvous von Manu Lesniok (Version aus 2013)

Einer der Schätze, die ich bei meiner Geburt erhielt, war das Recht und die Verantwortung, ENTSCHEIDUNGEN zu treffen. Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen ist wichtig für ein erfülltes Leben! Habe ich mal irgenwo gelesen.

Und diese Geschichte handelt von so einer Entscheidung, die ich zu treffen hatte. Es war eine von der delikaten Sorte, denn es ging ums Essen. Das ist nämlich sowas wie ein zweites Hobby von mir. Aber alles der Reihe nach!

Vielleicht drei Monate ist sie her oder auch zwei, die Reise ins Königreich Dänemark. Ich befand mich auf der Fähre von Puttgarden nach Rödby. Und ich muss gestehen, dass ich diese Reise nach Dänemark mehr als einmal in Frage gestellt habe. Ticket gebucht, Ticket wieder storniert um schlussendlich in letzter Minute doch noch ein Ticket für diese Fahrt übers Meer zu erwerben.

Am Ende dieser knapp zweistündigen Fahrt sollte ich doch tatsächlich meinen langjährigen dänischen Brieffreund einmal leibhaftig und ganz persönlich kennenlernen. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg und meine Nervosität brachte mich beinahe um.

Es war ein herrlich sonniger Nachmittag und so schlenderte ich auf das Sonnendeck, um ein paar der warmen Sommersonnenstrahlen zu erhaschen. Doch nach dem zweiten Kaffee und der dritten Zigarette beschlich mich so ein leichtes Hungergefühl und ich begab mich ins Restaurant. Seit der Abfahrt aus Hamburg hatte ich nur eine Tüte Knusperflocken und einen Apfel gegessen.

Steaks & Seafood. 
Vor meinen Augen tanzten saftige Lammkotellets und Hähnchenspieße auf einem Gartengrill und eine Scholle schwamm fröhlich im kleinen Teich gleich daneben. 

„Wie wärs es mit einem Platz am Fenster?“

Ein freundlicher Kellner mit einem lustigen Dänisch-Deutsch zeigte auf den wohl einzig freien Tisch in diesem Restaurant und ich nickte ihm lächelnd zu.
Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen?“ fragte der Kellner wieder in diesem lustigen Dänisch-Deutsch, als er mir die Speisenkarte reichte.

Ich schmunzelte. Es war genau dieses Dänisch-Deutsch, über dass ich mich bei jedem Telefonat mit meinem Brieffreund köstlich amüsierte und sicher auch der Grund war für die vielen Jahre Brieffreundschaft.
'Wenn ich recht überlege, habe ich seit vielen Jahre ja nicht nur einen Brieffreund', schoss es mir durch den Kopf, 'sondern auch einen Telefonfreund. Also einen Brief-Strich-Telefon-Freund sozusagen.'

Trinken. Wollte ich schon was trinken?
„Nein, ich muss erstmal sehen, was ich esse “, antwortete ich und vertiefte mich in die Speisekarte.

Gegrilltes Putensteak mit frischem Spinat und Kroketten

Zu dumm, aber ich mag nur Rahmspinat, den, der nicht immer irgendwo im Mund oder zwischen den Zähnen hängen blieb, wenn man nicht aufpasste. Nein, das geht heute auf gar keinen Fall.

Gebratenes Rotbarschfilet mit Petersiliensoße, Salzkartoffeln und Gurkensalat

Hm, lecker Fisch. Aber mit der Petersiliensoße ist es leider so wie mit dem Spinat. Und wenn nun doch eine Gräte in das Rotbarsch-Filet gerutscht ist, dann müsste ich womöglich in ein Krankenhaus geflogen werden. Und dann sehe ich meinen Brief-Strich-Telefon-Freund nicht persönlich, sondern muss ihm eine SMS schicken, dass wir unser Rendezvous mal wieder verschieben müssen. Kommt also auch nicht in Frage.

Schnitzel „Wiener Art“ mit herzhaften Bratkartoffeln und Gurkensalat
Hehehe...Ich will doch nach Dänemark und nicht nach Österreich. Das ist ja wie, ...wie ein halbes Hähnchen mit Pommes auf den Bahamas. Ne, ne, das will ich nicht.

Kartoffelpuffer – SATT – mit Apfelmus

Nur zu blöd, dass es nicht eine begrenzte Portion davon gibt. Vielleicht zwei oder maximal drei Kartoffelpuffer. Aber wenn da SATT steht, dann meinen die das bestimmt auch so...Hm, Und ich auch!
Ich sah mich schon kugelrund über das Deck rollen, dann weiter direkt die Gangway hinunter und meinem dänischen Brief-Strich-Telefon-Freund direkt vor die Füße. 
Dabei fiel mir ein, das ich in den letzten Jahren ja auch Emails nach Dänemark beantwortet habe, die mein Brief-Strich-Telefonfreund mir geschickt hat. Somit ist er nicht nur mein dänischer Brief-Strich-Telefon-Freund...sondern sogar mein dänischer Brief-Strich-Telefon-Strich-Email-Freund. Wow!

Hausgemachte Rinderroulade mit grünen Bohnen „Hamburger Art“ und Kroketten

Sowas Blödes! Ein altes Sprichwort sagt: „Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“ usw. Und das wäre mir nun wirklich ziemlich peinlich. Geht also auch nicht.

Haben Sie schon gewählt?“ fragte mich der Kellner, gerade als ich beim Dessert angekommen war. 
Und plötzlich kam mir diese Frage so schwierig vor. Ich fragte mich, ob ich die Konsequenzen aushalten würde, wenn ich mich für das falsche Essen entscheiden würde, ob ich mir das je verzeihen könnte. 
Ja“, antworte ich ihm zügig und hatte keinen Schimmer, was ich nun nehmen sollte. 
Und...was darf es denn sein?“
Ich hatte das Gefühl, als wenn der freundliche Kellner mit dem lustigen Dänisch-Deutsch diese Frage irgendwie besonders höflich stellte. Ich konnte es nicht genau sehen, aber ich glaube, er hat heimlich mit den Augen gerollt. Hätte ich wahrscheinlich auch getan, wenn ich er wäre.

Meine Alarmglocken klingelten. Jetzt gab es kein Entkommen mehr. 

Auch mein Blick in das Gesicht des Kellners brachte mir keine Lösung und so antworte ich:
Ich nehme einen Kaffee und eine Kugel Vanilleeis mit Krokantsplittern.“ Lächelnd gab ich ihm die Speisekarte zurück und sah zum Fenster hinaus aufs Meer.

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