12 Uhr 50

Kurzgeschichten lesen & schreiben


12 Uhr 50: Normalerweise ist das eine Zeit, in der ich in der Regel ans Essen denke. An diesem Tag allerdings lief alles etwas anders...


„12:50 Uhr“ 



Noch eine kleine Ergänzung in eigener Sache:
Meine ersten Werke (Taschenbücher, Ebooks und Hörbücher) wurden unter meinem Pseudonym Males Koinsel veröffentlicht.
Heute schreibe und veröffentliche ich nur noch mit meinem ganz realen Namen: Manu Lesniok. In meiner Facebookgruppe: Von der Idee zu deinem ersten Roman erfährst du mehr über meine Arbeit als Romanautorin  und als dein Schreibcoach 😉


12:50 Uhr von Manu Lesniok (Version aus 2013)

Normalerweise verbrachte ich die letzten zehn Minuten meiner Mittagspause mit den anderen rauchenden Arbeitskollegen bei der Treppe zum Keller der Einrichtung. 
Eigentlich lief es immer ähnlich ab. Wir zogen über das schlechte Essen her, das wir gerade zu uns genommen hatten. Oder, was allerdings selten bis gar nicht vorkam, wir hielten nur unsere Bäuche und wünschten uns nichts sehnlicher als eine Couch, auf der wir nach unserer Raucherpause einen wohlverdienten Mittagsschlaf abzuhalten. Doch an diesem Tag war für die Raucherbande alles anders und ich weiß bis heute nicht, wie wir das überleben konnten.

„Wir sollten auf das Protokoll warten“, sagte ich zu meiner Kollegin, die sich gerade die Zigarette anzündete. „Vielleicht haben wir die Bemerkung vorhin ja einfach nur falsch verstanden.
Wir waren in dieser Mittagspause nur zu zweit und unterhielten uns über das Meeting, dass am Vormittag spontan einberufen wurde.
Sie nickte.
„Ja, so machen wir...“

Weiter kamen wir mit unsere Auswertung nicht. Ein lautes Rascheln in der Baumkrone über uns beendete unvermittelt unser Gespräch.

'Ah, ein Eichhörnchen', dachte ich und sah zu meiner Kollegin rüber.
Für einen winzigen Moment brauchten wir keine gesprochenen Worte und waren uns einig. Die Eichhörnchen auf dem Gelände gehörten ebenso wie die schweigsamen Schildkröten und das laut schnatternde Entenpaar zu unserer Mittagspause dazu.
Ich glaube auch dass keiner in der gesamten Einrichtung diese Tiere besser kannte als wir.

Doch irgendwie klang dieses typische Eichhörnchengeräusch gar nicht so wie ein typisches Eichhörnchengeräusch. Es wurde immer heftiger und lauter. Und nach einigen winzigen Momenten später hatten wir wirklich keine Idee mehr, was dort oben in den Baumkronen wirklich geschah.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was meine Kollegin dachte. Besorgt schaute ich ein letztes Mal hinauf und allmählich bekam ich Gummibeine oder Muffensausen. So genau weiß ich das jetzt nicht mehr.
Der Krach über unseren Köpfen entwickelte einen so intensiven Geräuschpegel, dass wir uns die Hände an die Ohren hielten und meine innere Stimme flüsterte: „Drück schon mal die Zigarette aus.“
Ich gehorchte sofort.
Meine Kollegin schien eine ähnliche Ansage bekommen zu haben und schmiss im gleichen Moment ihre Kippe in den Aschenbecher vor uns. 

In einer normalen Mittagspause hätten wir laut losgelacht, doch dieses Mal schauten wir uns mit erschrockenen Augen an während wir uns weiter die Ohren zuhielten. Nach oben zu sehen traute ich mich nicht mehr. Irgendwie traute ich mich gar nichts mehr und stand wie angewurzelt auf einer Stelle, aufs Schlimmste gefaßt.
Ein Blick zu meiner Kollegin rüber sagte mir, dass auch sie mit der Angst zu kämpfen hatte. Ich war nicht in der Lage, mich auch nur einen Schritt vom Raucherpoint zu entfernen.

Wie betäubt standen wir zwei regungslos da, als es geschah. Wortwörtlich aus heiterem Himmel kam es direkt auf uns zu. Nein zwei. Sie waren im Doppelpack und stürzten auf uns zu. Auf ein unausgesprochenes Kommando setzten wir uns in Bewegung und rannten zum Parkplatz, der etwa sieben Meter von uns entfernt war. Dort suchten wir nach einem Versteck, das unser Leben retten sollte.

Allmählich zur Besinnung gekommen trauten wir unseren Augen nicht. Aus der Ferne erkannte wir zwei Tauben, die anscheinend das Gefecht ihres Lebens ausgetragen hatten. Sie sahen etwas mitgenommen aus, jedenfalls die kleinere von beiden. Sie hatte eine ganze Menge Federn verloren und hinkte nun.

Auf ein erneutes unausgesprochenes Kommando blickten wir uns prüfend an, dann lachten wir los und schworen, niemandem etwas von dieser Aktion zu erzählen. Mit Tränen in den Augen von unserem Lachflash beendete ich meine Mittagspause und ging in mein Büro.

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